Ein Duo des französischen Harfenvirtuosen Robert Nicolas Charles Bochsa (1789-1856) für Horn (Klarinette) und Harfe op. 93 in F-dur erweist sich als dankbares Spielstück für beide Instrumente. Bochsa, der väterlicherseits aus einer tschechischen Musikerfamilie stammt, hat neben zahlreichen Opern eine noch heute bekannte Harfenschule verfaßt. Er war nacheinander Hofmusiker von Napoleon und Ludwig XVIII. und führte ein abenteuerliches Leben auf seinen weitläufigen Konzertreisen. Natürlich erhält die Harfe im ersten Satz des Duos, einem Allegro brillante (beim Horn fehlt das «brillante» in der Satzbezeichnung) den Löwenanteil. Doch bereits im zweiten Satz, einem Siciliano, übernimmt sie auch Begleitfunktionen und überläßt dem Horn eine gefällige Kantilene, freilich nicht, ohne zum Abschluß doch noch einmal kadenzierend hervorzutreten. Eine feurige Polonaise mit ziemlich gleichwertigem Dialog beider Instrumente bildet das Finale.
Guillaume Pierre Antoine Gatayes (1774-1846) war ebenfalls Harfen- (und Gitarren-) Virtuose. Er ist das älteste Glied einer französischen Musikerfamilie, war vielseitig begabt und trat auch als Sänger und Komponist in Erscheinung. Ursprünglich sollte er Geistlicher werden. Er riß aber aus und wählte die Musikerlaufbahn. Sein Duo für Harfe und Horn op. 22 in F-dur entdeckte Manfred Maurischat ebenfalls in der Pariser Bibliothèque Nationale. Der Kopfsatz, ein Maestoso mit Anklängen an den barocken feierlichen Ouvertürenstil Lullyscher Prägung zeigt den Wechsel zwischen harmonisch-rhythmischen Partien beider Instrumente und virtuosen Laufpassagen für die Harfe. Im anschließenden Pastorale (Andante) erhält das Horn dankbare melodische Aufgaben.
Die Sonate für Horn und Harfe (oder Klavier) in F-dur von Louis François Dauprat (1781-1868) liegt in einer Neuausgabe von Edmond Leloir (Choudens, Paris 1972) vor. Dauprat war Hornist, und seine Kompositionen bilden eine wertvolle Bereicherung des Hornrepertoires. Dauprats belgischer Zeitgenosse, der Lexikograph Fétis, lobte den schönen Ton und die elegante Phrasierung des Virtuosen, der nur auf dem Naturhorn (ohne Klappen) unterrichtete und spielte. Sein Horn ist heute im Museum des Pariser Conservatoire zu sehen. Dauprats Sonate zeigt im umfangreichen Allegro moderato des Kopfsatzes alle Erscheinungsformen eines veritablen Konzerts unter Beibehaltung der klassischen Sonatensatzform. Die Harfe beginnt mit der Exposition, das Horn als quasi Soloinstrument setzt in gebührendem Abstand zehn Takte später ein. Ein Seitenthema und virtuose Spielpassagen folgen. Im Andante mit Variationen kann das Horn den ganzen Facettenreichtum seiner technischen und klanglichen Möglichkeiten entfalten, in Läufen, Sprüngen und melodischer Linienführung sowie einer rezitativischen Quasi-Kadenz. Der Schlußsatz ist wiederum konzertmäßig virtuos gestaltet.
Im Repertoire der beiden Künstler befindet sich ferner ein Werk des Schweizers Benno Ammann (geb. 1904) aus dem Jahre 1942, L’Arbero sonoro. Ammann, der in Leipzig und Paris (hier bei Roussel, Honegger und Milhaud) studiert hat, schreibt einen harmonisch wie melodisch gleichermaßen farbigen Satz, in dem neben technischen und virtuosen Details vor allem das Element der Klangfarbe in der Kombination beider Instrumente eine bedeutsame Rolle spielt.
Manfred Maurischat studierte an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold bei Gustav Neudecker, war dann nacheinander Solohornist in der Basler Orchestergemeinschaft, Mitglied des Sinfonieorchesters beim Südwestfunk, des Hessischen Rundfunks und bei den Bamberger Sinfonikern. Brigitte Langnickel-Köhler studierte ebenfalls in Detmold, ferner in den Haag und bei Helga Storck. Neben ihrer solistischen und kammermusikalischen Tätigkeit in Funk- und Fernsehaufnahmen sind beide Künstler unermüdlich auf der Suche nach Originalwerken für ihre Instrumente im Bereich der älteren wie der zeitgenössischen Musik. Beide sind in Westfalen beheimatet.