Brass Bulletin 39, III / 1982 (Seite 49–51) · 2 Min. Lesezeit
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Betrachtungen über die Bassposaune

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Betrachtungen über die Bassposaune

Früher unterschied sich die Bassposaune von der Tenorposaune hauptsächlich durch ihre Grundstimmung; je nach Epoche und Land war dies Es, F oder G. Die Klangfarbe war somit sehr verschieden, da der Instrumentalist auf höheren Partialtönen blies. Heute jedoch wird die Bassposaune gleich wie die Tenorposaune gespielt (die Quartventile werden im allgemeinen nur für tiefe Töne verwendet). Der Unterschied in der Klangfarbe rührt allein von der Verwendung eines tieferen Mundstücks her.

Das moderne Instrument unterscheidet sich indessen durch seine Bohrung (14,3 mm), doch kann man in Anbetracht der stetigen Weiterentwicklung des Instruments den Durchmesser der Bohrung nur schwerlich als Kriterium für eine Definition heranziehen. Die Tenorposaunen von heute sind die Bassposaunen von gestern. Zudem existieren bei den heute üblichen Tenorposaunen mehrere Bohrungen, und man nennt gleichwohl alle Arten einfach Tenorposaunen. Ja, und die Quartventile, werden Sie sagen… Dabei gibt es Bassposaunen, die wie die Tenorposaunen mit Quartventil nur ein einfaches Quartventil aufweisen, aber es gibt daneben auch eine Altposaune mit einem doppelten Quartventil (Thein). Die heute übliche Bassposaune ist demnach nichts anderes als eine Tenorposaune mit dickem Korn und scheint ihren Namen zu Unrecht zu tragen!

Heute scheint das Instrument seine eigentliche Ausgestaltung zu suchen; weder das Quartventil-System noch die Tonarten sind standardisiert. Das jüngste Modell mit voneinander unabhängigen Ventilen (B/Ges/F/D oder B/G/F/Es) findet offenbar nicht ungeteilte Zustimmung. Es gibt Spieler, die statt dem G-Zug (Ges-Zug) einen D-Zug (oder Es-Zug) aufsetzen möchten; andere Spieler ziehen, obgleich sie den Vorteil des zweiten Ventils für den Mittelfinger zu schätzen wissen, die nicht unabhängigen Ventile vor (Spezialmodell). Das bisherige doppelte Ventil bleibt benutzbar (B/F/E, Es oder Des mit dem Daumen), und das einfache Quartventil (F-E) auf jeden Fall. Die heute übliche Bassposaune biete demnach sehr verschiedenartige Möglichkeiten, was bei einem Komponisten zu einer gewissen Verwirrung führen kann!

Das Problem stellt sich aber ebenso für die Musik früherer Zeiten. Das klassische Trio (Alt-, Tenor- und Bassposaune) ist, vorab in Frankreich, zu einem Trio mit drei Tenorposaunen geworden. Heute spielt man jedoch wieder die Altposaune, der man eine einzigartige Klangfarbe zuerkennt. Warum sollte man nicht auch wieder die F-Bassposaune einführen? (In gewissen Ländern wird sie übrigens gespielt). Bei vier und mehr Posaunen drängt sich eine handfeste Bassposaune förmlich auf (in Frankreich wird die Tuba oft auch dort verwendet, wo es der originalen Orchestrierung zuwiderläuft). Man findet heute Bass-/Kontrabassposaunen in F (Thein, Alexander) mit zwei unabhängigen Ventilen (F/D oder Es/B/As oder aber F/D/C/B) mit oder ohne Zuggriff (sechs oder sieben Positionen in F) und sodann auch Ventilbassposaunen in F (Miraphone, Thein). Diese Instrumente, die ganz allgemein Kontrabassposaunen genannt werden, erlauben eine werkgetreue Wiedergabe, die sich die hohe Qualität der heutigen Instrumente zunutze macht. Tatsächlich hat jeder Komponist zu seiner Zeit eine grosse Mannigfaltigkeit an Instrumenten vorgefunden, die wir aufgegeben haben, einerseits weil die Herstellung in Rückstand geraten ist, andererseits aber auch, weil man alles vereinfachen wollte (welch ein Wort, wenn man von Kunst spricht!), und die wir heute wieder mit Vorteil verwenden. So bietet sich die F-Bassposaune/F-Kontrabassposaune geradezu ideal an für die vierten Posaunenstimmen bei Wagner, Verdi, Puccini, Richard Strauss, Alban Berg, wobei dann die gewöhnliche Bassposaune ans dritte Pult käme. Nebenbei gesagt, sind diese Stimmen als «Kontrabassposaune», «Cimbasso», «Bassposaune» oder einfach als «4. Posaune» bezeichnet. Gewisse Stimmen, die für eine Zugposaune zu schwer sind, werden dank einer Ventil-Bassposaune in F gut spielbar (Othello, Falstaff). Aber stellen wir uns vor, was etwa ein Debussy oder ein Ravel für diese Instrumente geschrieben hätten! Hat nicht schon Berlioz das Verschwinden der Bassposaune in Frankreich bedauert?

Man kann demnach die Bassposaune nicht einfach danach definieren, ob man auf ihr ein tiefes Es oder gar ein H spielen kann! (Nur auf der einfachen Tenorposaune ist dies nicht möglich). Meiner Meinung nach ist es dumm, eine eindeutige Abgrenzung zwischen Tenor und Bass vornehmen zu wollen. Halten wir uns doch vielmehr die Möglichkeit des Ineinanderfliessenlassens offen! Nützt ein Maler nicht etwa jede nur erdenkliche Farbschattierung aus? Hüten wir uns vor allzuschnellen Urteilen über sogenannte «Spezialinstrumente» (das Ohr akzeptiert nur widerstrebend Töne, die ihm nicht geläufig sind). Seien wir doch objektiv und denken wir einfach an die Musik…

Abschliessend möchten wir den Wunsch äussern, dass der Fächer an Posaunenarten seine reiche Vielfalt beibehalten möge, ohne von neuem durch eine mit der Kunst unvereinbare Schematisierung beschnitten zu werden. Und wir Bassposaunisten müssen von unserer Spezialisierung in dem Sinne Gebrauch machen, dass wir unsere Instrumente der Musik, die wir spielen, anpassen, stets unter Beachtung des Verhältnisses der einzelnen Stimmen untereinander. Fordern wir doch die Tubisten auf, für die Ventil-Bassposaune und auch für die Doppelzug-Kontrabassposaune, die für sie wie geschaffen scheint, mehr Interesse zu bekunden.

P.S. Ueber dieses Thema würde ich gerne einen Briefwechsel führen.

Literaturverzeichnis

Bevan Cliff, On the cimbasso trail, in Sounding Brass, vol. VIII n.II.

Flandrin Gaston, Le trombone, in Encyclopédie de la Musique Lavignac.

Flor Gloria, The contrabass trombone, in Woodwind World, Brass and Percussion, May-June 1978.

Lewy Rudolf, Trombone basso, in Journal ITA, vol. V.

Streeter Thomas W., The historical and musical aspects of the 19th century bass trombone, in Journaux ITA, vol. III, IV, V.

Thein Heinrich, Die Kontrabassposaune, in BRASS BULLETIN n.22.

Catalogues Miraphone, Thein, Alexander.

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