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Viktor Vengglowskij

Musiker und Pädagoge

Viktor Vengglowskij

Die wichtigste Persönlichkeit auf dem Gebiet des Posaunenspiels in der Sowjetunion ist heute der Leningrader Posaunist V. Venglowskij.

Als hochbegabter Musiker und unermüdlicher Arbeiter leistet er sehr Wertvolles für die Verbreitung und Vervollkommnung des Posaunenspiels.

Ich hatte das Glück, zwei Jahre bei ihm Assistent und Praktikant zu sein — am Leningrader Konservatorium, wo er seit 1963 unterrichtet — und so mit eigenen Augen zu sehen, was für ein arbeitsreiches Leben er führt und wieviel Kraft er für seine Lieblingssache aufbringt.

Seit 1950 Soloposaunist eines der weltbesten Sinfonieorchester, desjenigen der Leningrader Philharmonie, beschränkt er jedoch seine Musikertätigkeit nicht darauf. Jedes Jahr spielt er einige Solokonzerte, darunter viele neue Werke, die in unserem Land zum erstenmal gespielt werden. Von seiner «leichten Hand» kam eine grosse Zahl von Werken für Posaune in das Repertoire der sowjetischen Musiker.

Venglowskij legt grossen Wert auf die Erneuerung und Verbreiterung des Posaunenrepertoires und sucht deshalb — neben der Aneignung der ausländischen Literatur — unentwegt neues Material für Bearbeitungen aus der klassischen ausländischen, russischen und sowjetischen Musik.

Aus seiner Feder stammen die folgenden Bearbeitungen für Posaune und Klavier: E. Grieg, Elegie; S. Rachmaninow, Elegie; J.S. Bach, Siciliano; G.F. Händel, Gigue; A. Vivaldi, Konzert für zwei Violinen und Orchester, 1. Satz; D. Schostakowitsch, Drei Präludien, Romanze aus der Filmmusik zu Die Bremse, und auch Bearbeitungen für Blechbläserquintett: P. Tschajkowsky, Elegie; D. Schostakowitsch, Präludium und Fuge, Präludien.

Die Bearbeitungen für Blechblasquintett kommen nicht von ungefähr: Venglowskij ist schon einige Jahre festes Mitglied des Quintettes von V. Malkow, Ju. Bolschijanow, V. Bujanowsky, V. Galuzin, welches schon mit den interessantesten Programmen in den verschiedenen Sälen Leningrads aufgetreten ist.

Neben seiner Mitwirkung im Quintett ist Venglowskij Leader eines grossartigen Posaunenquartettes, welches eine aktive Konzerttätigkeit ausübt. Im Repertoire dieses Quartettes sind Werke von Beethoven, Bozza, Dondeyne, Serocki, Tomasi, de Falla, Kladnitzky, Bojarsky, Okunew.

Die letzteren drei Komponisten schufen ihre Werke eigens für dieses Quartett, mit dessen meisterhaftem Spiel man sich auf zwei neulich erschienenen Schallplatten bekannt machen kann.

Nur schon die bisher aufgezählten Konzertaktivitäten Viktor Venglowskijs müssten meiner Ansicht nach beeindrucken, doch wird dieser Eindruck noch grösser, wenn man all die Aufnahmen an Radio und Fernsehen und die Schallplattenproduktion (er hat schon 8 Platten eingespielt) hinzufügt.

Es ist unmöglich, alle Komponisten aufzuzählen, deren Werke Venglowskij aufgeführt hat. Einige Kompositionen sind speziell für diesen grossartigen Musiker geschrieben worden und ihm gewidmet: das Concertino von Uspensky, das Scherzo und Adagio von Okunew, Stücke von V. Bujanowsky, V. Angelow, I. Jeltschewoj u.a.

Neben seiner breiten Tätigkeit als ausübender Künstler gibt Venglowskij seine reiche Erfahrung der Jugend weiter — als Professor des Leningrader Konservatoriums.

Seine Erfolge auf pädagogischem Gebiet sind ebenso gross wie die als Interpret. Als Beweis dafür mögen die Erfolge seiner Schüler dienen, von denen er während eines Vierteljahrhunderts nicht wenige ausgebildet hat.

Im Bolschoj-Theater der UdSSR arbeiten vier seiner Schüler mit grossem Erfolg, unter ihnen A. Skobeljew, welcher 1973 den internationalen Concours in Genf gewann, A. Morozow, V. Golikow, V. Patschkajew; im Leningrader Kirow-Theater R. Krassner; im Theater von Kiew Ju. Bryndin; im Bolschoj-Theater in Minsk S. Iwanow u.s.f.

Viele Schüler Venglowskijs üben auch eine pädagogische Tätigkeit aus und geben so die reiche Erfahrung ihres Lehrers weiter, so z.B. A. Skobeljew, der eine Klasse am Moskauer Konservatorium leitet, der ehemalige Assistent-Praktikant T. Adamawitschus, welcher am staatlichen Litauischen Konservatorium arbeitet und der Autor des vorliegenden Artikels, der am staatlichen Konservatorium Odessa unterrichtet.

Die erfolgreiche Tätigkeit Viktor Venglowskijs als Interpret und Pädagoge ist begründet in seiner rückhaltlosen, fanatischen Hingabe an sein Instrument, mit der er auch seine Schüler anspornt, und in demselben Masse wird die Sache, welcher er seine ganze Kraft widmet, aufblühen und sich entwickeln.

Als ein bescheidener und rücksichtsvoller Charakter ist er stets bereit, auf eine beliebige Bitte einzugehen und allen nach Kräften zu helfen. Das zeigt sich an seinen vielfältigen und engen internationalen Beziehungen und an der Hochachtung, die er bei allen geniesst, mit denen er verkehrt.

So etwa sieht ein nur die Grundzüge erfassendes Porträt von Professor Viktor Venglowskij aus, dem grossen Musiker und Pädagogen, Preisträger des Internationalen Wettbewerbes, der uns ein Beispiel abgibt für den uneingeschränkten Dienst an der Kunst.

Brass Bulletin 34, II / 1981 Seiten 23–26

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