Brass Bulletin 26, II / 1979 (Seite 51–54) · 3 Min. Lesezeit
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Eine Frau im Blech... na und?

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Eine Frau im Blech... na und?

Frøydis Ree Wekre ist seit 1965 koordinierte Solohornistin der Osloer Philharmoniker. Sie begann mit sechs auf der Geige und wechselte mit siebzehn zum Horn. Studiert hat sie in Oslo, Stockholm (bei Wilhelm Lansky-Otto) und Leningrad (bei Vitali Bujanovsky). Frøydis Ree Wekre gewann einen nationalen Preis im Jahr 1965 und ist in Skandinavien sowie Deutschland, Belgien, der Schweiz, Kanada und den USA als Solistin aufgetreten. In den USA ist sie erstmals 1973 anlässlich der internationalen Horn-Werkstatt aufgetreten und ist seither jedes Jahr mindestens einmal dort gewesen. Frøydis Ree Wekre ist auch kammermusikalisch aktiv — als Mitglied der Norwegischen Kammersolisten und des Norwegischen Blechbläserquintetts. Sie unterrichtet am Konservatorium in Oslo.

Als mich Brass Bulletin erstmals bat, einen Beitrag über irgend einen Aspekt von «Frau und Blechblasen» zu schreiben, war ich versucht, nur obige Überschrift zurückzusenden. Mit freundlichen Grüssen.

Indes, da es ja ein paar eindeutige und interessante Unterschiede zwischen den Geschlechtern im allgemeinen gibt, meinte ich, es könnte auch einige interessante, wenn auch weniger eindeutige Unterschiede in der Einstellung zum Blechblasen geben. Dies bewog mich zu weiterem Nachdenken. Da es heutzutage so viele vortreffliche Pianistinnen, Geigerinnen, Cellistinnen und Sängerinnen gibt, sind wir uns vielleicht einig, dass viele Frauen ein gutes Gehör, Intelligenz und die Fähigkeit haben, sich künstlerisch auszudrücken. Wenn es gegen Blechbläserinnen Einwände gibt, so stellen sie wahrscheinlich die Fähigkeit einer Frau in Frage, den Anforderungen zu genügen, was extreme Lautstärke, Höhe und Ausdauer anbetrifft. Auf Grund meiner eigenen Spielerfahrung, und nach allem, was ich während Jahren von Blechbläsern beider Geschlechter gehört habe, glaube ich, dass psychologische Faktoren ungeheuer wichtig sind. So wissen wir alle, dass ein kleinwüchsiger Mann trotzdem erstaunlich laut spielen kann und andererseits ein Hüne erstaunlich zaghaft. Zudem wissen wir, dass ein Mann, der physisch der «geborene Blechbläser» zu sein scheint, schlecht abschneiden kann, weil er seine Nerven nicht beherrscht. Meiner Meinung nach sind ein gutes Gehör, ein guter Kopf, rationelle Übemethoden und Vertrauen in das eigene Können die Voraussetzungen für befriedigendes Musizieren. Dazu kommen körperliche Faktoren: gute Zähne, starke Gesichts- und Unterleibsmuskeln — und künstlerische Qualitäten, wie schöpferische Phantasie, Liebe zur Musik und der Wille, diese Liebe mit jedem Publikum zu teilen — all das wird zu besten Resultaten beitragen. Nun, schauen wir uns gleichwohl mal die Fragen an, die da kommen mögen:

  1. Können Frauen laut spielen?
    Die Fähigkeit, laut zu spielen, setzt unter anderem ein aktives Temperament voraus. Sodann braucht man den Willen zur Anstrengung, seinen ganzen Körper einzusetzen und den Mut, hinzunehmen, dass lautes Spiel sich nicht immer so nett anhört. Viele Frauen haben das Temperament, den Willen und den Mut. Indes, die Vorstellung von der zarten Frau, die nie hart körperlich arbeitet, ist leider noch in vielen Köpfen verbreitet. Die Frauen sollten sich dieser Einstellung voll bewusst sein und auf ihre Überwindung hin arbeiten. Den Männern stellt sich dieses Problem ja weniger, sie sind meist schon dazu erzogen worden, «lärmiger» zu sein. Zugegeben, eine kleine Frau mag nicht so lange laut blasen können wie ein grosser Mann. Aber sie kann das Problem vermindern, indem sie es klug angeht. Die kleine Frau muss eben lernen, «wie man das Publikum beschummelt» (so Arnold Jacobs, der berühmte Tubist, dessen Lungenkapazität durch Krankheit stark reduziert ist).
  2. Können Frauen hohe Töne spielen?
    Hohes Spiel ist nicht nur eine Frage roher Kraft, sondern auch von Gewieftheit, Technik und kluger Arbeit. Ich kenne verschiedene Frauen, deren Stärke gerade die Höhe ist.
  3. Können Frauen wirklich schwere Brocken spielen?
    Anstrengende Stücke sind ein Problem für beide Geschlechter. Ausdauer ist, einmal mehr, eine Frage der Intelligenz, der Fähigkeit, mit flexiblem Ansatz zu spielen und des Wissens, wo und wann man sich während des Spiels rasch erholen kann. Auch Selbstvertrauen ist wichtig... «die Kunst zu glauben, dass man's schafft»... das gäbe einen guten Artikel ab...
  4. Wie steht es mit der Armkraft, Ausdauer im Halten des Instrumentes?
    Eine normal kräftige Frau, die statische Muskelarbeit bewusst einsetzt, kann ihr Instrument so lange halten, wie es der Part erfordert. Doch die Beanspruchung des Arms durch die statische Muskelspannung kann zum Problem werden, und ich habe mehr Schülerinnen als Schüler erlebt, denen Verkrampfungen in Armen und Hals zu schaffen machten. Dem Lehrer sollte diese Gefahr bewusst sein, und er sollte seine Schüler — besonders die Mädchen — frühzeitig dazu ermuntern, sich durch Schwimmen, Armübungen und anderes Training Kraft aufzubauen. Auch hier: «die Kunst, sich oft im Spielen auszuruhen»...
  5. Können Frauen während der Monatsregel gut spielen?
    Das ist individuell. Es gibt Frauen, die einen oder zwei Tage im Monat wirklich krank sind, aber die meisten von uns können trotzdem arbeiten. Ich habe an «jenen Tagen» oft schwierige Stimmen gespielt, und vielleicht, weil ich meine Möglichkeiten nicht überschätzte, war das Resultat erstaunlich gut (so schien es mir jedenfalls).
  6. Können Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt gut spielen?
    Das beste Beispiel, das ich kenne, ist die erste Hornistin im norwegischen Rundfunkorchester, Mutter zweier kleiner Kinder. In beiden Fällen spielte sie bis 14 Tage vor der Geburt. Die letzten zwei Monate der Schwangerschaft spielte sie drittes Horn statt erstes, aber jeweils drei Monate nach der Geburt nahm sie ihr gewohntes Tagewerk wieder auf.
  7. Kommt eine Frau in einer Männergruppe beruflich gut zurecht?
    Aber gewiss. Es wäre ungerecht, auf Grund einiger schlechter Erfahrungen von Kolleginnen zu urteilen. Es gibt tatsächlich auch arrogante und schwierige Persönlichkeiten unter männlichen Musikern!

Nun, auch nach all dem Nachdenken könnte ich noch immer zurückfragen: «Eine Frau im Blech — na und?»

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