Brass Bulletin 23, III / 1978 (Seite 47–54) · 6 Min. Lesezeit
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Die Trompete einstellen, anwendbar au jedes Ventilinstrument

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Die Trompete einstellen, anwendbar au jedes Ventilinstrument

Ein fabrikneues Instrument sollte spielbereit sein, deshalb mag wohl das Problem überraschen. Es ist aber durchaus berechtigt, da dies nicht immer der Fall ist, und vor allem da sich die inneren und äußeren Filz- und Korkringe abnutzen (oder an Stärke einbüßen).

Thomas Stevens (Erste Trompete am Los Angeles Philharmonie Orchestra) hat dieses Problem auf dem Spezialkurs für Blechbläser (Moudon, Juli 1977) aufgeworfen, und wir haben es durch Nachfragen bei einem Instrumentenmacher vertieft und schließlich durch eigenes Forschen und um die bestmögliche Präzision besorgt abgeschlossen.

Zuerst, was versteht man unter Einstellen?

Es geht darum, die Stöpseldurchgänge aufs allergenaueste auf die entsprechenden Pumpenlöcher — und zwar in beiden Stellungen — einzustellen, sodass die Luftsäule eine einwandfreie Bahn vorfindet, ohne Unebenheiten, die oft schwerwiegende Folgen haben. Wir wollen drei Methoden vorstellen:

  1. eine empirische Methode, wie sie von Thomas Stevens in Moudon vorgeführt wurde.
  2. die von Henri Gallarette, Instrumentenmacher in Marseille, vorgeschlagene Methode.
  3. die von Jean Louis Mouton und René Périnelli ausgearbeitete Methode.

Zuerst, Beschreibung des Stöpsels und seiner Kammer (Abb. 1, drittes Ventil).

Abbildung 1

Abbildung 1

Erste Methode

Empirische Methode, aufgebaut auf die verschiedenen harmonischen Verhältnisse des Instrumentes. Von Thomas Stevens vorgeführt.

Abbildung 2

Abbildung 2

A) Einstellung mit ungedrückten Ventilen (0):

Die im Instrument vibrierende Luft wird zuerst, nachdem sie durch das Mundrohr gelaufen ist, auf der Höhe des 3. Ventils bemerkbar. Deshalb wird als erstes das 3. Ventil eingestellt: der obere Deckel (Abb. 2) wird aufgeschraubt, und dadurch wird der Kolben in seiner Kammer mehr oder weniger hochgezogen. Dabei kann festgestellt werden, ob der innere Filzring (Abb. 3) zu dick geraten oder zu dünn geworden ist.
Je dicker der innere Filzring unter dem oberen Deckel ist, umso tiefer kann der Kolben in seine Kammer gedrückt werden. Je dünner der innere Filzring, umso höher kann der Kolben gezogen werden.

Abbildung 3

Abbildung 3

Zur endgültigen Einstellung des Kolbens werden verschieden starke Filzringe eingesetzt, je nachdem welche Höhe als die richtige erkannt wurde (Abb. 3): Kann der Kolben zu tief eingedrückt werden, muss der Filz- (oder Kork-) Ring dünner, kann er nicht tief genug eingedrückt werden, muss der Filz- (oder Kork-) Ring dicker sein.

Unterschiede in der Klangfarbe, in der Spielbereitschaft und in den Notenverhältnissen können danach festgestellt werden, wenn man die Naturtöne des Instrumentes mit ungedrückten Ventilen spielt.

Dann wird das erste Ventil eingestellt, da der Ton an dessen Ausgang seine endgültige Qualität erhält und im Schalltrichter Wirklichkeit wird.

Hierbei wird wie oben beschrieben vorgegangen: der obere Deckel wird mehr oder weniger aufgeschraubt, während die Naturtöne mit ausgezogenen Ventilen gespielt werden. Schließlich, sollte der Unterschied nicht ausreichen, wird das 2. Ventil ebenso eingestellt.

B) Einstellung mit gedrückten Ventilen (+):

Die Länge des Kolbenwegs wird von der Länge des Stiels bestimmt: Drückt man den Kolben hinunter, stellt man fest: Je länger der Stiel, umso tiefer kann der Kolben in seine Kammer gesenkt werden. Je kürzer der Stiel, umso weniger kann der Kolben hinuntergedrückt werden.

Zur richtigen Einstellung der Stiellänge wird der Knopf mehr oder weniger abgeschraubt (Abb. 4), dann werden verschieden starke Ringe zur endgültigen Einstellung eingelegt (Abb. 5).

Auch hierbei geht es darum, die Knie so genau wie möglich mit den entsprechenden Pumpenlöchern zur Übereinstimmung zu bringen. Diesmal kann das Augenmaß aushelfen, da es ein Leichtes ist nachzuprüfen, ob die Löcher des 2. Ventils übereinstimmen. Je nach Instrument kann dieses Verfahren auch beim 3. und 1. Ventil angewandt werden.

Auch jetzt könnten Unterschiede in der Klangfarbe und in der Spielbereitschaft festgestellt werden, indem die Naturtöne mit den verschiedenen Fingergriffen des Instrumentes wie folgt gespielt werden:

Abbildung 4

Abbildung 4

Abbildung 5

Abbildung 5

Schluss

Selbstverständlich sind jene Unterschiede von der Qualität und vom Zustand des Instrumentes abhängig und können daher geringfügig oder bedeutend sein.

Diese Methode erlaubt es, mit einer gewissen Erfahrung eine recht gute Einstellung ohne besonderes Material (außer den verschieden starken Ringen) zu erhalten.

Zweite Methode

Vorgeschlagen von Henri Gallarette, Instrumentenmacher in Marseille. Vergleichende Methode, die mehr Genauigkeit gewährt.

A) Einstellung mit ungedrücktem ausgezogenem Ventil (0)

A muss gleich B sein. So stimmen die Löcher im Kolben und in dem Mantel genau überein (Abb. 6, 3. Ventil).

Abbildung 6, Figur 7

Abbildung 6, Figur 7

B) Einstellung mit gedrücktem Ventil (+)

A' muss gleich B' sein (Grund wie oben) (Abb. 7).

Selbstverständlich muss darauf geachtet werden, dass die entsprechenden Löcher gewählt werden. Zum Ausmessen der verschiedenen Längen wird eine Schieblehre benötigt. Diese Methode ist einfach und genau, misst man beim ungedrückten Ventil (A); sie enthält allerdings gewisse Schwierigkeiten beim Ausmessen des Stiels bei gedrücktem Ventil (B), es sei denn man verfügt über ein anderes Messgerät: Schieblehre mit Tiefenmaß.

Anmerkung: Bei dieser Methode muss darauf geachtet werden, dass die Längen D und C des oberen Deckels gleich sind; wie im folgenden abgebildet, umgedrehter oberer Deckel (Abb. 8) oder je nach Trompete, dass das Gewinde des Mantels jenem des oberen Deckels gleich ist (Abb. 9). Gewöhnlich ist nämlich D > C, was das Endergebnis fälscht.

Figur 8 und 9

Figur 8 und 9

Dritte Methode

Von Jean Louis Mouton und René Périnelli ausgearbeitete Methode, die die Möglichkeit bietet, eine Präzision von einem Zehntel Millimeter zu erreichen, d. h. äußerste Genauigkeit gewährleistet.

Um diese Methode anzuwenden, benötigt man ein kleines Gerät zum Ausmessen der Längen A und B (siehe folgende Tabellen), (Sollten Sie bei der Herstellung des Gerätes Schwierigkeiten haben, könnten wir Sie beraten), und eine 1/10 mm Schieblehre mit Tiefenlehre und eventuell einen Taschenrechner.

Die Präzision, mit der folgende Messungen vorgenommen werden, führt zu einer perfekten Einstellung der Ventile. Hinzu kommen noch, wie bei den zwei anderen Methoden, Filz- (oder Kork-) Ringe in verschiedenen Stärken zur endgültigen Einstellung.

Der Grundgedanke unserer Methode ist ganz einfach. Im folgenden wird erklärt, wie mit einem der Beispiele verfahren wird. (Diese Tabelle hilft beim Ausrechnen der verschiedenen Messergebnisse):

Beispiel von Messungen an einem Instrument. Einheit: Zehntelmillimeter.

Beispiel von Messungen an einem Instrument. Einheit: Zehntelmillimeter.

A) Ausmessen bei ungedrückten Ventilen

  1. Längen A1, A2, A3 an den Kammerwänden mit der Schieblehre nachmessen (Abb. 10).
  2. Die entsprechenden Längen B1, B2, B3 auf den Kolben ausmessen. Auch mit der Schieblehre nachmessen (Abb. 11).
  3. Diese Längen in die Tabelle eintragen und X ausrechnen: A1—B1=X1 / A2—B2=X2 / A3—B3=X3 (Abb. 12).

Nachdem jeder Kolben in seine Kammer wieder eingesetzt worden ist, werden die X-Werte auf der Schieblehre eingestellt. Die unteren Deckel abnehmen, und unter jeden Kolben die entsprechende Länge mit der Tiefenlehre einführen (Abb. 12). Nachprüfen, ob diese Länge der Stellung des Kolbens entspricht:

Sollte die Tiefenlehre den Kolben nicht berühren (wenn sie zu kurz ist), muss ein stärkerer Filzring eingesetzt werden: der Kolben kann tiefer hinuntergedrückt werden (Abb. 13).

Sollte die Tiefenlehre gegen den Kolben anstoßen (wenn sie zu lang ist), muss ein dünnerer Filzring eingesetzt werden: der Kolben wird heraufgezogen (Abb. 14).

Figur 10 bis 14

Figur 10 bis 14

B) Ausmessen bei gedrückten Ventilen

Wie bei ungedrückten Ventilen:

  1. Längen a1, a2, a3 an den Kammerwänden mit der Schieblehre ausmessen (Abb. 15).
  2. Die entsprechenden Längen b1, b2, b3 auf den Kolben ausmessen (Abb. 16).
  3. Die X-Werte ausrechnen: a1—b1=x1 / a2—b2=x2 / a3—b3=x3 (Abb. 17).

Wie oben, jeden Kolben wieder in seine Kammer einsetzen, und die x-Werte (bei gedrückten Kolben!) mit der Tiefenlehre übertragen (Abb. 17).

Figur 15 bis 17

Figur 15 bis 17

Anmerkung: Im Falle der gedrückten Ventile sind die x-Werte sehr gering. Deshalb muss mit größter Genauigkeit gemessen und gerechnet werden.

Allgemeine Anmerkungen

Es besteht die Wahl zwischen jeweils zwei Stellen beim Messen: Ein- oder Ausgang der Luftsäule durch das Ventil. Man sollte darauf achten, die dem Pumpenloch entsprechende Muschel im Kolben zu wählen. Je nach Instrumentenmarke wird man mehr oder weniger seitlichen Spielraum zwischen dem Kolben und dem Mantel entdecken — dagegen ist kaum etwas zu machen.

Schlusswort

Wir hoffen, dass die Erleuchtung, die uns zuteil geworden ist, andere weiterführen wird. So wäre unsere Arbeit nicht umsonst geleistet worden. Sie könnte auch von anderen vertieft werden. In diesem Falle hätten wir unser Ziel erreicht. Wir stehen jedem, der Zusätzliches erfahren möchte, zur Verfügung: René Périnelli, «L’Horizon» — Château Sec, 10, bd de la Gaye, F-13003 Marseille.

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