2. Dresdens erstes Opernhaus. Eingeweiht am 27. Januar 1667. Erbaut von Wolf Casper v. Klengel. In dieser Oper musizierte auch die erste Posaunengruppe der Kapelle.
Andreas Winkler und Friedrich von Westhof sind zu dieser Zeit bereits 40 Jahre Mitglieder der Kapelle. Im Verzeichnis von 1654 ist Andreas Winkler als Instrumentalist und Fr. v. Westhof als Lautist verzeichnet. Über Friedrich von Westhof heißt es auf Seite 31: geboren zu Lübeck 1611. Er war Rittmeister im Dienste Gustav Adolphs, kam jedoch durch widrige Umstände arm geworden nach Dresden, wo er obige Anstellung fand. Später vertauschte er die Laute mit der Posaune und starb erst 1694. So hat dieser Posaunist noch in hohem Alter von über 80 Jahren seinen Dienst in der Kapelle versehen. In Stellenverzeichnissen des ganzen 18. Jahrhunderts sind keine Posaunen mehr angegeben. Erst mit Aufkommen des romantischen Orchesters, also zur Zeit Carl Maria v. Webers, finden 3 Posaunen ihren festen Platz in der Kapelle. Noch zur Zeit Richard Wagners blies der 1. Posaunist in der Hofkapelle nur Altposaune. In seinem Reformentwurf: «Die Königliche Kapelle betreffend» vom 1. März 1846 beantragt Richard Wagner die Anschaffung einer Tenorposaune für den 1. Posaunisten mit der Begründung: «… die Alt-Posaune ihrem Umfange nach nicht zureicht, und der Alt-Posaunist daher genöthigt ist, oft ganze Stellen auszulassen oder sie um eine Oktave höher zu spielen. Dem Alt-Posaunisten muß daher außer seinem gewöhnlichen Instrumente noch eine Tenor-Posaune zugestellt werden.» Damit hatte der heute in allen Orchestern bestehende Posaunensatz, also 1. und 2. Tenorposaune und Baßposaune, seinen festen Platz in der Kapelle gefunden. In diesem Zusammenhang wäre noch erwähnenswert, daß die Traditionspflege bei den Posaunisten der Staatskapelle großgeschrieben wird: In jeder Aufführung der Oper «Der fliegende Holländer» liegen heute noch die handgeschriebenen Originalstimmen mit der Einzeichnung der «Uraufführung am 2. Januar 1843 unter Kapellmeister Richard Wagner» auf den Notenpulten (Bild 4, 5 und 6). Über einen weiteren Posaunisten, der um die Wende unseres Jahrhunderts lebte, will ich noch berichten: Eugen Reiche. Sein Konzert No. 2 in A-Dur für Posaune gehört zu den klassisch-romantischen Konzerten der Posaunenliteratur.
3. Das erste Instrumenteninventar der Dresdner Kapelle von 1593. Die ersten vier Positionen: 8 neue kleine Posaunen und 1 Quartposaune, 9 alte Posaunen und 1 alte Quartposaune. Als weitere Blechblasinstrumente werden aufgeführt: 11 gerade Hörner, 8 krumme Hörner. Anmerkung: In diesem Zeitabschnitt stehen im Personenregister der Kapelle hinter den Namen nur die Bezeichnung: Vocalist oder Instrumentalist. M. Fürstenau bemerkt dazu, daß in diesem Zeitabschnitt ein Instrumentalist mehrere Instrumente beherrschen mußte. M. Fürstenau: «Man sollte meinen, ein solches Orchester verlange mehr Personen, jedoch wurden diese Instrumente nie zusammen im Ensemble gespielt, sondern höchstens einige vereint, wie der Componist es gerade bestimmte; nur mußten die Kapellmitglieder mehrere auf einmal tractieren können.»
4. - 5. Die handgeschriebenen Stimmen der Posaunen zur Zeit der Uraufführung der Oper «Der fliegende Holländer» von Wagner. Sie liegen heute noch bei jeder Aufführung dieser Oper auf den Pulten der Posaunisten.
Über Eugen Reiche selbst ist sehr wenig bekannt. Durch Zufall stieß ich vor Jahren auf einen Bruder des Komponisten, damals ein Herr schon über 80 Jahre alt. Er ließ mir folgendes Schreiben über Eugen Reiche zukommen:
Mein Bruder Eugen Reiche, geb. im April 1878, wurde in Deuben bei Dresden [jetzt Freital] geboren. Er hat eine kurze Zeit Holzbildhauer in Potschappel gelernt. Doch riet man ihm ab, da dieser Beruf nicht mehr zeitgemäß betrachtet wurde. Danach versuchte er es als Scharwerksmaurer. Auch dieser Beruf sagte ihm nicht zu. Nun ging er nach Bad Schandau, um sich der Musik zu widmen, die ihn gefesselt hatte. Später ist er von dort in das jetzige Westdeutschland als Posaunist gereist. Nach einer geraumen Zeit erbat er sich vom Vater die Besorgung eines Auslandspasses nach Petersburg. Der Vater war darüber sehr entsetzt, aber er erfüllte doch seinen Wunsch. Daraufhin reiste mein Bruder gleich ab. Er hatte auch Glück und bekam sofort eine Stelle im Zoologischen Garten (Orchester), dann an der Oper, danach als Professor an der Musikhochschule in Petersburg. Seinen ersten großen Urlaub verlebte er 1913 zu Hause in Freital. Da hat er auch sein Konzert gegeben. Meine beiden Brüder Oskar und Arno spielten auch mit. Eugen spielte einen vorzüglichen Streichbaß und blies sehr gut Tuba. Nun ist die Zeit vergangen und wir haben schon viele Jahre nichts mehr von ihm gehört.
Otto Reiche
6. Dienstplanverzeichnis der Königlichen Kapelle zur Zeit der Uraufführung der Oper «Der Tannhäuser» von Wagner im Jahre 1845 mit den ersten drei Tannhäuser-Posaunisten. Als Blechbläser sind verzeichnet: Waldhorn: Herr Haase, Muschcke, Schlitterlau, Adam. Trompete: Herr Queißer, Schreitter, Districk. Posaune: Herr Gottschalck, Rühlemann, Qußer. Herr Hinckel — Tuba. Der Tubabläser wurde zu dieser Zeit von einer in Dresden stationierten Militärkapelle ausgeliehen. Erst 1846 beantragte Richard Wagner eine Planstelle für dieses Instrument. Das Jahresgehalt der Posaunisten betrug im Jahr 1846: Altposaune — 200 Thaler; Tenorposaune — 200 Thaler; Baßposaune — 300 Thaler. Da in verschiedenen Aufführungen nur eine Baßposaune besetzt war, erhielt dieser Musiker 100 Thaler mehr Jahresgehalt. (Ein sächsischer Thaler ist 30 Neugroschen. Ein Neugroschen ist 10 Pfennige.)
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges brachen somit Eugen Reiches Beziehungen zur Heimat ab. Er gilt seither als verschollen. Ich persönlich habe noch mit einem Posaunisten in der Staatskapelle zusammen Dienst gemacht, der Eugen Reiches Interpretation im Jahre 1913 in Freital gehört hat. Er versicherte mir, daß Eugen Reiche ein hervorragender Interpret seines Konzertes war. Nur habe Reiche im Rondo ab Solo im 3. Takt statt Cis ein E geblasen. Anzunehmen ist, daß es sich um einen Druckfehler in der Solostimme handelt.
Dies also eine Reminiszenz an Posaunisten der Vergangenheit.