Brass Bulletin 13, I / 1976 (Seite 55–58) · 2 Min. Lesezeit
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Pump- oder Drehventil?

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Als am Anfang des 19. Jahrhunderts ein mechanisches System erfunden wurde, das es den Blechblasinstrumenten erlaubte, sämtliche Töne der chromatischen Skala zu spielen, entstand großer Aufruhr. Der Kampf zwischen den Verteidigern des traditionellen Naturinstruments und den Verfechtern des neuen Ventilsystems war erbittert. Seit jenen heroischen Tagen hat das mechanische System jedoch seine Überlegenheit bewiesen, und die Streitfrage lautet nicht mehr «sein oder nicht sein», sondern «welches System ist das beste?». Betrachten wir also die beiden Hauptsysteme und vergleichen wir ihre Vor- und Nachteile:

1. Das Pumpventil- oder Kolbensystem:
Ein langer Zylinder wird von drei Röhren durchquert, die jeweils den Zugang zu einem Verlängerungsbogen bilden. Drückt man ein Ventil (den Kolben) hinunter, wird die gewählte Rohrlänge mit der Luftsäule des Instruments verbunden. Beim Loslassen bringt eine Feder den Kolben in seine Ausgangsposition zurück. Die Fingerbewegung wirkt direkt auf den Kolben.

Fig. A
Fig. A

2. Das Drehventil- oder Zylindersystem:
Der Zylinder ist ein abgestumpfter Kegel, der von zwei Röhren durchzogen wird. Durch Betätigen eines Hebels wird der Kegel um eine Vierteldrehung um seine Achse bewegt. Beim Loslassen kehrt er mithilfe einer Spiralfeder, die sich in einer Trommel befindet, automatisch in die Ausgangsstellung zurück.

Bei einigen Instrumenten erfordert die Übertragung der Bewegung vom vertikalen Hebel auf die horizontale Achse ein System kleiner Achsen und eine Verbindungsstange; bei anderen genügt ein dünner Faden. In beiden Fällen ist die Fingerbewegung indirekt.

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Ischer 02 Brass Bulletin No 13 1976
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Ischer 03 Brass Bulletin No 13 1976

Ein Nachteil des Kolbensystems ist der relativ lange Hub. Bei Trompeten liegt er zwischen 12 und 16 mm, bei Tuben kann er bis zu 26 mm betragen.

Ein Vorteil des Drehventilsystems besteht darin, dass der Spieler den Bewegungsweg verkürzen oder verlängern kann, je nachdem, wie nahe der Finger an der Hebelachse ansetzt. Der Nachteil ist jedoch, dass für einen kürzeren Weg mehr Kraft erforderlich ist. Zudem verhalten sich die Wirkungsbereiche von Finger und Hebel umgekehrt proportional.

Der Verschleiß des Kolbens ist unvermeidlich. Nach einigen Jahren sind Kolben und Zylindergehäuse abgenutzt, ähnlich wie bei einem Kolben eines Verbrennungsmotors. Auch ein eventuell vorhandener Haltestift kann sich abnutzen. Man kann diesen Prozess durch eine dicke Chromschicht hinauszögern — vorausgesetzt, deren Oberfläche ist vollkommen glatt und frei von kleinsten Unebenheiten.

Beim Drehventilsystem kann das durch Verschleiß entstandene Spiel im Zylinder — aufgrund seiner konischen Form — durch tieferes Einsetzen ausgeglichen werden. Allerdings sind bei diesem komplexeren System fünf Teile beteiligt: der Zylinder und seine vier Achsen. Dadurch entstehen zusätzliche Geräusche, sowohl mechanische als auch durch Mitschwingungen.

Das Übertragungssystem mit Faden ist zwar geräuschlos, hat jedoch den gleichen Nachteil wie ein Schnürsenkel: Es reißt stets im ungünstigsten Moment.

Im Unterhalt bietet das Kolbensystem einen klaren Vorteil: Funktionsstörungen lassen sich meist schnell durch Zerlegen, Reinigen und Ölen beheben. Beim Drehventilsystem hingegen benötigt man dafür einen Schraubenzieher, einen Stiftaustreiber, einen kleinen Hammer — und viel Geduld.

Ich persönlich bevorzuge trotz des unvermeidlichen Verschleißes das Kolbensystem wegen seines einfachen und geräuscharmen Mechanismus. Dennoch wäre es interessant, die Erfahrungen und Meinungen anderer Blechbläser zu hören, insbesondere die der Tubisten, die aufgrund der schweren Mechanik ihres Instruments besonders mit den Problemen von großem Hub und Geräuschentwicklung konfrontiert sind.

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