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Unmöglich?

Kurt Janetzky hinterfragt den Begriff des „Unmöglichen“ im Blechbläser-Spiel und zeigt, dass sich technische Grenzen ständig verschieben und kein Repertoire als unspielbar gelten sollte.
Unmöglich?

Die mittelalterlichen Dombaumeister und Steinmetzen schufen den herrlichen Figurenschmuck und alles filigranhaft feine Zierwerk ihrer Kathedralen stets mit derselben Liebe, Sorgfalt und dem vollen Einsatz ihrer Meisterschaft, ganz gleich ob ihre Arbeit an gut sichtbarer Stelle oder in blickentrückter Turmeshöhe seinen Platz bekommen sollte. Sie konnten nicht ahnen, dass ihr Werk dereinst durch die moderne Technik mit Helikopter und Teleobjektiv aller Welt deutlich vor Augen geführt uns Nachfahren damit zum steten Vorbild beispielhafter Kunstauffassung werden würde.

Auch die heut älteste Blechbläsergeneration wird jedoch bei ihren einstigen Lehrern und letzten Vorgängern eine derartig hohe Kunstgesinnung wohl nur noch selten angetroffen haben. Nur zu gern nahm man sich zu Zeiten, da das Werk von Richard Strauss noch letzte Neuheit war, seiner eigenen Äusserung an, dass es (beispielsweise 1890 im «Don Juan») «auf fünfzig Noten mehr oder weniger nicht ankommt». «Nur Farbe» meinten alle die, die über unbequeme und angeblich unwesentliche Tuttistellen mehr oder weniger elegant hinwegzuwischen pflegten, und mit zustimmender Befriedigung nahm man die fast amüsierte, weltmännisch gelassene Bemerkung auf, mit der Strauss einen gewissenhaften, ganz untröstlichen Trompeter beruhigte, dem die Stelle in der «Alpensinfonie», bei der sich die I. Trompete im «Aufstieg zum Gipfel» so schwierig in die Höhe quält, einmal empfindlich daneben geriet. «Da sind wir halt mal abgestürzt» sagte er, dem braven Veteran väterlich wohlwollend auf die Schulter klopfend.

Ganz anders sah es jedoch aus, als ein reichlich selbstbewusster Virtuose Strauss anriet eine «ganz unmögliche» Stelle abzuändern, oder wenigstens zu sagen, wie sie wohl gemeint oder gar zu spielen sei. «Gemeint ist sie so, wie sie geschrieben steht» sagte er, «und wie sie zu spielen ist wird Ihnen, mein lieber Herr Professor, sicherlich schon bald einer Ihrer tüchtigen, jungen Schüler zeigen. Bis dahin lassen Sie ruhig weg, was jetzt noch nicht zu machen ist. Für unmöglich sollten wir aber nichts halten. Ich hab mir nur gedacht, dass es so klingen müsste, wie ich’s geschrieben habe. Ändern kann ich jetzt keine Note mehr.»

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Brass Bulletin 10, I / 1975 Seiten 35–41

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