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Fortschritt in der Intonation: ein Riesenschritt für den Serpent

Fortschritt in der Intonation: ein Riesenschritt für den Serpent

Foto aus Zeitschrift «Die Dame» 1932. (Sammlung Ernst W. Buser, CH-4102 Binningen)

An den 8. August 1986 wird man sich noch lange erinnern, wenn schon nicht in den Annalen der Blechbläsermusik, so doch sicherlich bei allen Mitgliedern der amerikanischen Serpentistenvereinigung und allen Teilnehmern am 1986er Seminar für frühe Musik in Amherst. Am 8. August war der Abschluss der einwöchigen ersten internationalen Begegnung der vereinigten Serpentisten und die Weltpremiere der «Amherst-Suite für acht Serpente», komponiert und geleitet vom Engländer Simon Proctor, ausgeführt von Mitgliedern aus den Vereinigten Staaten. Obwohl die elf Serpentisten nicht alle Dreiklänge in allen Tonarten erobert hatten, bewies die Aufführung vor einer enthusiastischen Zuhörerschaft, dass das Instrument tatsächlich recht schön gespielt werden kann. Und wenn der Serpent die Aufmerksamkeit dieses jungen, begabten Komponisten auf sich zieht (welcher auch andere Werke für das Londoner Serpenttrio und das Londoner Ophikleïdenensemble geschrieben hat), zeigen die Resultate, dass dieses Instrument ungerechterweise schmerzlich verschmäht worden ist. Es gab schon Gelegenheiten, bei denen noch mehr Serpente auftreten konnten. Am bemerkenswertesten war die Aufführung von Gossecs «Te Deum» am 14. August 1790, an der 50 Serpentisten teilnahmen. Damals spielten sie alle eine einzige Stimme. Proctors achtstimmige «Amherst-Suite» muss als das komplexeste je für dieses Instrument geschriebene Werk angesehen werden.

Christopher Monk (+ Bandovin Serpent), Steven Silverstein (American Anaconda Serpent), ein tenor Serpent und der «Wurm».

Christopher Monk (+ Bandovin Serpent), Steven Silverstein (American Anaconda Serpent), ein tenor Serpent und der «Wurm».

Der Serpent, offiziell 1590 in Frankreich erfunden, um die Stimmen im katholischen Kirchenchor zu unterstützen, ist das ewige schwarze Schaf der Musikinstrumente. Das aus Holz gebaute und mit schwarzem Leder überzogene Instrument ist nicht der Vorgänger irgend eines modernen Musikinstrumentes. Geschätzt und benützt von den Musikern des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, wurde der Serpent ein Instrument des Sinfonieorchesters und der Militärmusik wie auch ein Instrument der Kirchenmusik. Händel, Haydn, Beethoven, Wagner und Mendelssohn komponierten für den Serpent. Während Händel beim ersten Anhören des Serpents amüsiert ausrief: «Oh weh, das ist aber nicht die Schlange (Serpent), die Eva verführt hat!», verdammte Hector Berlioz das Instrument, in dem er sagte:

Der wirklich barbarische Klang dieses Instrumentes würde viel besser passen zu den blutigen Kulten der Druiden als zur katholischen Kirche.

Berlioz hätte diese Ansicht sicherlich geändert, wenn er die Aufführung vom 8. August der Amherst-Suite gehört hätte.

Die Mitglieder des United Serpents.

Die Mitglieder des United Serpents.

Die dem Konzert vorausgegangene Woche erwies sich für die Lokalzeitungen als interessant und führte auch zu nationalen Radiosendungen der N.P.R. und der N.B.C. Die englische Kapazität Christopher Monk, Mitglied des Londoners Serpenttrios und Hersteller von Zinken und Serpenten, leitete die erste Serpentklasse des 20. Jahrhunderts. Die interessanten und bereichernden täglichen Sessionen umfassten die Geschichte des Serpents, seine Technik und Literatur. Die Teilnehmer waren in der Lage, originale Instrumente zu untersuchen und zu spielen, unter anderem einen Serpent von Bandovin (um 1810), der Herrn Monk gehört, und Serpente von B. Pretty und Tabard Lyon (frühes 19. Jahrhundert), die von der Kingman-Sammlung des Newark-Museums ausgeliehen worden waren. Ausserdem wurden zwei noch nie gesehene Instrumente speziell bei dieser Gelegenheit eingeweiht — ein Viertel-Serpent, «Der Wurm», gebaut von Herrn Monk, und «Die amerikanische Anakonda», gebaut aus Plastikabflussrohren von Steven Silverstein. Beim Konzert spielte Doug Kirk, mit Hilfe des Wurms, die höchsten je gehörten Töne auf einem Serpent, und John Weber entzückte die Zuhörerschaft mit einer ergreifenden Interpretation des «Old Man River» auf der amerikanischen Anakonda.

Komponist Simon Proctor spielt den geraden Tabard Lyon Serpent (Newark Museum).

Komponist Simon Proctor spielt den geraden Tabard Lyon Serpent (Newark Museum).

Das Ereignis wurde koordiniert von der Serpentistenvereinigung und gesponsort von Amherst Early Music, Inc. Es hat in der internationalen Serpentwelt grosse Anerkennung ausgelöst, und ein ähnliches Serpentseminar in England wurde für Juli 1987 geplant. Für mehr Informationen über die vereinigten Serpentisten schreiben Sie an Craig Kridel, 927 Daly Street, D-5, Columbia, SC 29205, USA.

Brass Bulletin 58, II / 1987 Seiten 36–39

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