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Artikulationsarten - die Bogenstriche des Trompeters

Die Artikulation der Trompete wird bei Timofey Dokshitser zur genauen Arbeit an Ansatz, Atem, Zunge, Klanghaltung und Tonverbindung.
Artikulationsarten - die Bogenstriche des Trompeters

Timofej Dokschizer, der berühmte Solotrompeter im Orchester des Moskauer Bolschoi-Theaters, legt hier eine tiefgreifende Studie über eine der wichtigsten Grundlagen instrumentaler Kunst vor. Wie alle grossen Meister legt er dabei seinen Finger minutiös auf Punkte, welche die meisten Musiker vernachlässigen, weil sie ihnen als «zu einfach» erscheinen. Der Beitrag richtet sich zwar an die Trompeter, dürfte aber für alle anderen Mitglieder der Blechbläserfamilie nicht minder anregend sein. Dieser Artikel erschien erstmals 1976 in russischer Sprache im 4. Heft eines «Lehrgangs für Blasinstrumentenlehrer» im Moskauer Verlag «Muzika» und wurde mit dessen freundlicher Genehmigung durch unsere Übersetzer mit Russischkenntnissen — Romain Brot, Max Sommerhalder und David Todd — ins Französische, bzw. Deutsche und Englische übertragen.

Den Begriff «Strich» haben einstmals die Geiger von den Malern übernommen, in Anbetracht der Gemeinsamkeiten zwischen der Führung des Bogens und der des Pinsels. Später bürgerte sich das Wort bei allen Streichern ein, um verschiedene Spielweisen, die «Stricharten», zu unterscheiden. Dank der immer perfekteren Koordination der Instrumentengruppen innerhalb des Orchesters wurden auch die Bläser mit dem Begriff der Stricharten vertraut, der ihnen aber lange Zeit zu allgemein und zu abstrakt blieb.

Die Artikulationsarten, die bläserische Entsprechung zu den Bogenstricharten der Streicher, wurden in der methodischen Literatur erst nach dem Krieg eingehend behandelt. Heute interessieren sich jedoch immer mehr Bläser für die Frage der Benennung der verschiedenen Artikulationsarten und bemühen sich, das Wesen der entsprechenden Spieltechniken und der damit erzielten klanglichen Nuancen zu erfassen.

In den bisher vorliegenden Schulen werden Artikulationsprobleme von zahlreichen Autoren behandelt, aber bei weitem nicht genügend gründlich und präzise. Das kommt nicht von ungefähr. Die Materie ist reichlich komplex. Wer sich darauf einlässt, kommt nicht darum herum, sich mit ziemlich allen Aspekten bläserischer Interpretation zu befassen.

In der vorliegenden Arbeit¹ möchte ich die verschiedenen «Stricharten», auf das Spiel des Trompeters übertragen, genau charakterisieren und ihre Ausführung beschreiben, welcher die verschiedenen Arten, Töne anzustossen, auszuhalten und abzuschliessen oder zu binden, zugrunde liegen. Dabei stütze ich mich auf eigene Erfahrung wie auch auf die Theorien anderer. Ich möchte auch die Terminologie unter die Lupe nehmen, die in der Praxis gebräuchlich, aber häufig ungenau oder gar falsch ist.

Ist es denn überhaupt nötig, sich über Artikulationsarten zu verbreiten? Haben früher nicht die vortrefflichsten Trompeter wie Wurm, Trognet, Brandt, Tabakow oder Adamow wundervoll geblasen, obschon sich die Wissenschaft noch nie systematisch der Artikulationsarten angenommen hatte? In jeder Disziplin hat es Talente gegeben, welche die Gesetze ihrer Kunst intuitiv fanden und anwandten.

Im Theater etwa gab es grosse Schauspieler, die schöpferisch sein konnten, ohne das Stanislawskij-System zu kennen. Ihr Können gründete sich auf Kenntnis ihres Métiers, eine weitgehend intuitive Kenntnis, welche die Theorie vorwegnahm, die nachträglich die in der Praxis gewonnenen Resultate verallgemeinerte und wissenschaftlich begründete.

Heutzutage wird von jedem Berufsmann verlangt, dass er seine Tätigkeit auf systematische theoretische Grundlagen stützen könne. Das gründliche Studium der Artikulationsarten und ihre bewusste Anwendung wird helfen, trompeterische Schwierigkeiten zu überwinden, Zeit für empirisches Suchen nach der richtigen Technik zu sparen und das Niveau der Interpretation beträchtlich zu heben. Das über Studium, Einteilung und Terminologie der trompeterischen Artikulationsarten Gesagte trifft sinngemäss auch auf andere Blasinstrumente zu.

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Brass Bulletin 30, II / 1980 Seiten 23–31

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