Brass Bulletin 8, II / 1974 (Seite 7–54)
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Gabinetto Armonico par Filippo Bonanni, Rome 1723

22 Abbildungen

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Neudruck mit einem Vorwort und Bildtext von Frank Li. Harrison und Joan Rimmer: The Showcase of Musical Instruments, Dover Publications Inc., New York, 1964. (Auszug, mit frdl. Erlaubnis der Herausgeber, von E. Mende.)

Filippo Bonanni, 1658 in Rom geboren, trat dem Jesuiten-Orden bei und wurde 1698 zum Kurator einer Antiquitäten-Sammlung ernannt, welche vom berühmten Athanasius Kircher zusammengestellt und in der Jesuiten-Schule aufbewahrt wurde.

Das Gabinetto Armonico kam 1716 heraus, erhielt dann 1723 eine verbesserte Auflage (der sämtliche Abbildungen entnommen sind) und wenn es auch nicht vollkommen zuverlässig ist, so ist es durch seine Anschaulichkeit sicher leichter verständlich als irgendein anderes Buch über Musikinstrumente vor Curt Sachs (1913, Neudruck Dover Publ. 1964). Es geht unbefangen an die Aufgabe heran, will weder belehrend noch wissenschaftlich wirken und erinnert einen durch seine Allgemein-Verständlichkeit an diesbezügliche Werke der heutigen Zeit.

Bonanni zeigt sowohl Kunst-, wie Volks-Instrumente in Europa, viele wenig-bekannte Instrumente aus den christlichen Kirchen des Ostens und eine grosse Auswahl aus nichteuropäischen Ländern. Seine Quellen sind natürlich verschiedener Art und entstammen sowohl wissenschaftlichen Abhandlungen als auch Reiseberichten, aber seine wichtigste musikalische Quelle ist Marin Mersenne, französischer Philosoph und Mathematiker, dessen «Harmonie Universelle» (1636-1667) einen bis in alle Einzelheiten gehenden Abschnitt über Instrumente enthält.

Bei der Wiedergabe der Abbildungen aus dem Gabinetto Armonico haben die Autoren auf die Übersetzung des ziemlich ungelenken Originaltextes verzichtet und versucht die wunderschönen Stiche Arnold van Westerhouts mit klaren, kurzgefassten Bildtexten zu versehen.

Die hebräische Trompete, wie die ägyptische, welche uns heute bekannt ist, war eine konische Metallröhre, nach Flavius J...
Die hebräische Trompete, wie die ägyptische, welche uns heute bekannt ist, war eine konische Metallröhre, nach Flavius Josephus (1. Jh.) «etwas kürzer als eine Elle». Trompeten spielten eine grosse Rolle im Tempel-Ritual, jedoch war es nicht ihre Aufgabe einen musikalischen Ton im heutigen Sinne zu erzeugen, sondern laut und brillant zu schmettern.
Die römische Trompete, aus Bronze gemacht, war länger als die hebräische aber sonst ziemlich ähnlich. Ihre Funktion jedo...
Die römische Trompete, aus Bronze gemacht, war länger als die hebräische aber sonst ziemlich ähnlich. Ihre Funktion jedoch soll ausschliesslich militärisch und gladiatorisch gewesen sein und ihr Ton rauh.
Dieser Stich zeigt nicht etwa eine Trompete, sondern einen doppelten Aulos, dessen Röhren zylindrisch waren und der mitt...
Dieser Stich zeigt nicht etwa eine Trompete, sondern einen doppelten Aulos, dessen Röhren zylindrisch waren und der mittels sehr grosser doppelter Rohrblätter gespielt wurde. Schalmeien dieser Art waren die kunstvollsten Blasinstrumente der Ägypter, Griechen und Römer, bis sie allmählich durch die konische Rohrblatt-Flöte ersetzt wurden, die die Vorgängerin unserer Oboe darstellt.
Dies ist die Trompete des frühen 18. Jahrhunderts: ein ca. 215 cm langes Messing- oder Silberrohr, in eine praktische Fo...
Dies ist die Trompete des frühen 18. Jahrhunderts: ein ca. 215 cm langes Messing- oder Silberrohr, in eine praktische Form gebogen. Neben Militär- und Gelegenheitstrompetern gab es zu Bonannis Zeiten auch hoch ausgebildete Virtuosen, vor allem in Deutschland, welche sich besonders aufs Clarinblasen spezialisiert hatten. Diese Kunst verschwand allmählich nach Bachs Tod in der 2. Hälfte des 18. Jh. und das Trompetenspiel begrenzte sich auf die mittleren Register bis zur Entdeckung und Anwendung der Ventile in der 1. Hälfte des 19. Jh.
Die Posaune, im Prinzip eine Trompete mit beweglichem U-förmigem Rohr, das in den Hauptteil des Instrumentes hineinpasst...
Die Posaune, im Prinzip eine Trompete mit beweglichem U-förmigem Rohr, das in den Hauptteil des Instrumentes hineinpasst, entstand, fast in der jetzigen Gestalt, etwa um 1500 herum. Im 16. Jh. spielte die Posaune die Bass- oder Tenorstimme in den Instrumentalensembles. Im englischen Sprachbereich wurde sie sackbut genannt. Das Bild zeigt eine Bass-Posaune.
Im 15. Jh. war eine Zugtrompete im Gebrauch, die ein langes bewegliches Rohr am Mundstückteil hatte, das teleskopartig i...
Im 15. Jh. war eine Zugtrompete im Gebrauch, die ein langes bewegliches Rohr am Mundstückteil hatte, das teleskopartig in den Hauptteil des Instrumentes hinein passte. Indem man das Instrument hinaus und herein schob, konnte man eine längere Reihe aufeinanderfolgender Töne erlangen als auf der gewöhnlichen Trompete. Dieses Instrument, das wohl kein voller Erfolg war, überlebte in Deutschland bis zu Bonanni's Zeiten und wurde von Bach in verschiedenen Kantaten unter dem Namen tromba da tirarsi verwendet.
Das römische cornu (Horn) war ein konisches Bronzerohr in G-Form, das beim Militär und bei feierlichen zivilen Gelegenhe...
Das römische cornu (Horn) war ein konisches Bronzerohr in G-Form, das beim Militär und bei feierlichen zivilen Gelegenheiten gebraucht wurde. Horaz nennt seinen Ton «ein drohendes Geräusch». Der Schalltrichter in Form eines Tierkopfes ist auch charakteristisch für den keltischen carnyx.
Dieses cornu hat einen Querbalken, bzw. eine Tragstütze aus Holz, um das Tragen des über 3 m langen Instrumentes zu erle...
Dieses cornu hat einen Querbalken, bzw. eine Tragstütze aus Holz, um das Tragen des über 3 m langen Instrumentes zu erleichtern.
Da die indischen Instrumente oft vom Ausland her beeinflusst wurden, gleicht auch diese indische Trompete gewissen chine...
Da die indischen Instrumente oft vom Ausland her beeinflusst wurden, gleicht auch diese indische Trompete gewissen chinesischen Trompeten. Nach Bonanni sollte der Schalltrichter beim Spielen nach oben zeigen.
Der römische lituus soll etruskischer Herkunft sein. Obzwar aus einem Stück gemacht, hat er doch die Form seines Vorgäng...
Der römische lituus soll etruskischer Herkunft sein. Obzwar aus einem Stück gemacht, hat er doch die Form seines Vorgängers behalten, der aus einem Schilfrohr mit einem Tierhorn-Verstärker bestand. Die Bibliothek des Vatikans besitzt einen bronzenen Lituus, das National Museum in Irland gebogene Bronze-Instrumente eines ähnlichen Typus.
Nach Bonanni wurde dieses kleine Jagdhorn — eigentlich ein Rufinstrument von Hirten — von Romulus verwendet um das Volk...
Nach Bonanni wurde dieses kleine Jagdhorn — eigentlich ein Rufinstrument von Hirten — von Romulus verwendet um das Volk Roms zusammenzurufen. Auch die Metallhörner behalten die ursprüngliche Kuhhorn-Form bei.
Dieses Bild soll ein türkisches Instrument darstellen, das sehr schwer zu spielen sei weil es «eine grosse Quantität Luf...
Dieses Bild soll ein türkisches Instrument darstellen, das sehr schwer zu spielen sei weil es «eine grosse Quantität Luft braucht um es zum Erklingen zu bringen».
Diese Art chinesische Trompete besteht aus einem schlanken Rohr, das in einen breiten Zylinder aus Eisen, Kupfer oder ku...
Diese Art chinesische Trompete besteht aus einem schlanken Rohr, das in einen breiten Zylinder aus Eisen, Kupfer oder kupferüberzogenem Holz eingesteckt wurde.
Nach Bonanni soll der Ton dieses kleinen Signalhornes der Kuriere und Jäger viel klarer sein als sein Vorgänger aus Tier...
Nach Bonanni soll der Ton dieses kleinen Signalhornes der Kuriere und Jäger viel klarer sein als sein Vorgänger aus Tierhorn.
Im Anfang des 18. Jh. war das Horn in Frankreich lediglich als Jagdinstrument in Gebrauch, während es in Deutschland und...
Im Anfang des 18. Jh. war das Horn in Frankreich lediglich als Jagdinstrument in Gebrauch, während es in Deutschland und Böhmen bereits in Theater und Ensembles verwendet wurde. Die hier gezeigte einfache Form ist in Frankreich unter dem Namen trompe de chasse erhalten geblieben und wird sowohl bei der Jagd wie in alpinen Regimentern verwendet.
Die Seemuschel-Trompete wird von vielen primitiven Völkern verwendet, im Allgemeinen mit ritueller oder magischer Bedeut...
Die Seemuschel-Trompete wird von vielen primitiven Völkern verwendet, im Allgemeinen mit ritueller oder magischer Bedeutung. In Europa ist sie noch bei den Fischverkäufern von Mallorca in Gebrauch um ihre Ware anzupreisen. Bonanni bringt die griechische Legende vom Triton, der mit dem schrecklichen Geräusch seiner Muscheltrompete Riesen besiegte.
Ein imaginärer Stimmverstärker. Kircher meinte, dass durch ein breites elliptisches Rohr der Ton bedeutend verstärkt wür...
Ein imaginärer Stimmverstärker. Kircher meinte, dass durch ein breites elliptisches Rohr der Ton bedeutend verstärkt würde.
Ein Megaphon wie es auf dem Meer für die Weitergabe von Befehlen und Meldungen verwendet wurde.
Ein Megaphon wie es auf dem Meer für die Weitergabe von Befehlen und Meldungen verwendet wurde.
Das Horn Alexander des Grossen. Nach Kircher soll das Bild einem Manuskript aus der Bibliothek des Vatikans entstammen.
Das Horn Alexander des Grossen. Nach Kircher soll das Bild einem Manuskript aus der Bibliothek des Vatikans entstammen.
Das Summ-Instrument ist aus einem Stück gespaltenen Schilfrohrs gemacht, das man zum Summen bringt genau wie Kinder, die...
Das Summ-Instrument ist aus einem Stück gespaltenen Schilfrohrs gemacht, das man zum Summen bringt genau wie Kinder, die auf einem Grashalm blasen.
Eine Kürbis-Trompete, aus ausgehöhltem Kürbis gemacht. Ein hineingestecktes Schilfrohr dient als Mundstück. Es wird von...
Eine Kürbis-Trompete, aus ausgehöhltem Kürbis gemacht. Ein hineingestecktes Schilfrohr dient als Mundstück. Es wird von den Bauern in Gaeta, Italien, zum Jagen und als Fest-Instrument gebraucht.
Ein Wasserkrug aus Steingut: man singt in den Ausguss hinein und die Hand, indem sie die Einfüllöffnung auf- und zudeckt...
Ein Wasserkrug aus Steingut: man singt in den Ausguss hinein und die Hand, indem sie die Einfüllöffnung auf- und zudeckt, sorgt für die Tondifferenzierung. Der Bauch des Kruges spielt die Rolle eines Resonators. Dieses anspruchslose Instrument soll, nach Bonanni, «eine angenehme und stimulierende Begleitung zu Gesang und Tanz der Bauern bilden».

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