Und was wir heutzutage wirklich brauchen, das ist der künstlerische Ausdruck, und zwar vom einfachen Ursprung der Musik, des Klanges her, dort wo jeder Ton einer neuen Hoffnung Ausdruck gibt.
Wir brauchen eine Renaissance der Musik, indem wir sie von allem Überflüssigen, Unechten, das sich ihr im Laufe der Jahre angehaftet hat, befreien.
Die heutige Musik ist mit einer riesigen Torte vergleichbar: zu gross, zu hoch, zu farbig dekoriert (möchte fast sagen: geschminkt), kurzum zu « schön », zu « perfekt » — und deshalb unessbar, weil das Äussere wichtiger geworden ist als der einfache, gute Geschmack des Kuchens.
Mein Wunsch wäre es, die Musik denen zu entreissen, für die sie nichts als ein Mittel zu Geld und Ruhm geworden ist, und ich möchte sie zu ihrem Ursprung zurückführen, dorthin wo die Menschen ihren Traum träumen und wo die Musik, von allem Ballast befreit, uns innerlich direkt anspricht.
Gewiss, unser Unterricht wird nicht ausschliesslich vom sportlich-wettbewerblichen Gesichtspunkt aus erteilt. Viele Musiker führen ihre Schüler in die Welt der höheren Werte ein, ziehen Ausdruck und Interpretation dem technischen Training und den endlosen Übungen vor. Nur nehmen sie damit das Risiko auf sich, gegen die Reglemente der öffentlichen Institutionen zu verstossen, die sich oft noch an alte Normen festklammern, welche zu einem grossen Teil die Ursache der heutigen Malaise, der « Erstickung » der Musik sind.
Wenn man Musik-Wettbewerben oder Prüfungen beiwohnt, bekommt man manchmal das Gefühl, Sport-Trainer anstatt Musikprofessoren vor sich zu haben, während die Jury mit Vorliebe Super-Modelle auszuwählen scheint!
Unsere heutige Welt hat ein fast krankhaftes Bedürfnis nach Super-Menschen, Super-Produkten, Super-Stars, während das Einfache, das Geistige bedenklich in den Hintergrund gedrängt wird.
Die Frage ist: Wird man wirklich die Musik auf Wettbewerb-Ebene weiterbetreiben?
Jean-Pierre Mathez.
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