Brass Bulletin 25, I / 1979 (Seite 3–) · 1 Min. Lesezeit
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Vorwort

Lassen Sie Ihren Blick doch mal etwas länger auf unserem Titelbild verweilen, auf dem staunenswerten Bild des Kaufmännischen Automaten!

Ein Musiker als Automat! Welch ein Traum für Dirigenten! Schade, dass die Technokratie solch prächtige Nachbildungen nicht weiterentwickelt hat. Sonst hätten heute die Musiker aus Fleisch und Blut bessere Aussichten, die Entwicklung ihrer Kunst aktiv mitbestimmen zu können, statt nur deren gefügige Beamte zu sein.

Wer von uns hat noch nicht beunruhigt festgestellt, welche Mechanismen die Routine mit sich bringt! So reibt sich unsere Existenz in Gebärden und Verhaltensweisen auf, die meist durch unsere Zivilisation bestimmt sind — und deren Räderwerk dreht sich schon mehr im Sand denn im Öl...

Die mechanische Wiedergabe von Musik, die Tonaufnahme von untergegangener Folklore sind Konserven. Ist das hinreichende kulturelle Nahrung? Und ist sie gesund? Ansichtssache. Was mich betrifft, so habe ich den Eindruck, dass Technik und Wissenschaft dabei sind, die lebendige Kunst, die Kunst der Lebenden vielmehr, zu strangulieren. Wie ernst, wie nüchtern doch alles wird!

Maschinenöl gegen Blut? Klischee gegen Phantasie? Der berechnete Druck von Federn gegen das unergründliche Pulsieren des Herzmuskels?

Die Klänge, die wir erzeugen, werden nur dann zu Musik, wenn sie von Gedanken und starken Empfindungen befruchtet werden. Diese wiederum entwickeln sich nur, wo es dem Einzelnen gelingt, seine innere Freiheit zu vergrössern.

Der Automat von Kaufmann ist ein bewundernswertes Museumsstück, aber vielleicht auch — seit 1810! — eine subtile Warnung an die Menschheit, was ihre Evolution anbetrifft.

Und die Hoffnung bei alledem?

Wenn Ihnen der Anblick dieses Trompeters mit dem Eisenherz ein Lächeln entlockt, seien Sie beruhigt: ein klares Zeichen, dass Sie selbst noch keiner der Roboter des 21. Jahrhunderts sind, die uns noch blühen...

Jean-Pierre Mathez

P. S. Definition von «Automat» im Wörterbuch: «Maschine, welche die Bewegungen eines Lebewesens imitiert. Bildlich: willenloser Mensch, den man tun heisst, was man will.»

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