Brass Bulletin 18, II / 1977 (Seite 3–) · 1 Min. Lesezeit
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Ist mein Mundstück die Ursache meiner Schwierigkeiten? Werde ich je diese Schwierigkeiten überwinden können? Sollte ich vielleicht die Instrumentenmarke wechseln? Übe ich auch richtig? Gibt es keinen Trick, der das Spielen erleichtert? Kann mich denn kein Lehrer auf den Weg zum Erfolg leiten?

Wir kennen alle diese Fragen. Die Antworten, die wir darauf geben, erwecken in uns Hoffnung, Ehrgeiz, Energie.

Unser Lehr- und Aufstiegssystem, der ständige Wettbewerb, der unsere Gesellschaft prägt, verursachen, dass der Musiker in eine zweideutige Lage gerät. Nur wenigen unter ihnen ist es vergönnt, sich in diesem System ohne weiteres zurechtzufinden. Die meisten müssen sich innerhalb unangemessener Grenzen bewegen: entweder befinden sie sich oberhalb des Niveaus ihrer Fähigkeiten oder Kompetenzen (wie schwierig ist es doch, auf lange Zeit dort zu bestehen) oder sie bleiben unter diesem Niveau stecken (wie sehr kann das einen verbittern). Immer sind wir in Gefahr, uns zu über- oder unterschätzen.

In dem Maße, wie wir in uns die Stelle finden, wo unsere gesamte Begabung vibrieren kann, in diesem Maße kann sich unsere spezifische Persönlichkeit entfalten (etwa wie der Idealton, den wir auf unseren Instrumenten suchen).

Diese Stelle zu entdecken ist so unendlich wichtiger als die Jagd nach technischen und ästhetischen Kriterien, die ja nur modegebunden sind, also dem aktuellen Geschmack unterliegen.

Jenseits der Entdeckung unseres Selbsts befindet sich die Musik, die uns zum Spielen führt (nicht die Musik, die wir spielen müssen oder wollen).

Mit diesem Gedanken fühle ich mich den freien Musikern, etwa den Schafhirten, nahe; sie spielen für ihre eigene Freude im grenzenlosen Raum der Natur: Himmel, Sterne, Unendlichkeit. Wo die Gedanken ungebunden sind und innerer Friede ist, der so vieles entstehen lässt...

Diese Zeilen sind eine Sommerbotschaft. Eine Aufforderung, ruhige, sonnige Stunden auszunützen, um sich selbst zu suchen, zu entdecken und immer besser auf unseren Trompeten, Hörnern, Posaunen und Tuben den Lebensdrang und die Menschenliebe auszudrücken.

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