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Vorwort

Vorwort

Wenn Musiker auf der ganzen Welt das gleiche Instrument spielen, haben sie unendlich viel gemeinsam. Wenn wir Blechbläser einander treffen, sei es zum ersten oder zum hundertsten Male, so gehen uns die Diskussionsthemen nicht aus: unser Instrument, unsere Technik, unsere Erfahrungen, unsere Sorgen, Triumphe, Pläne, usw.

Ein solcher Gedankenaustausch ist für alle wertvoll — aber ganz besonders für den jungen Musiker, der seinen Weg noch sucht, denn, wenn er gewillt ist, kann er sehr viel von den Erfahrungen der Kollegen lernen. Auch wird er seine eigenen Ansichten bestätigt oder aus bestimmten Gründen abgelehnt finden. Gedanken- und Erfahrungsaustausch wirken sehr belebend, schärfen die Wachsamkeit gegenüber Gefahren und Irrtümern und tragen zu jener Urteilsbildung über Menschen und Musik bei, aus der Toleranz geboren wird.

Seit vielen Jahrhunderten suchen sich Musiker in Korporationen, Bruderschaften und ähnlichen Gemeinschaften zu vereinigen. Welche Gründe führten sie dazu?

Da gibt es zunächst den Kampf gegen gemeinsame Schwierigkeiten und die Verteidigung gemeinsamer Interessen. Dann den Wunsch zur Erlangung besserer künstlerischer und technischer Ausbildung, sowie zur Förderung neuer bzw. Erhaltung bewährter Ideen und schliesslich zur Herstellung und Vertiefung freundschaftlicher Kontakte, d.h. des Zusammengehörigkeitsgefühls.

Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass die meisten solcher Vereinigungen (auch anderer Berufe) im Laufe der Jahre stets starrer und intoleranter wurden, bis sie schliesslich zu einem Machtinstrument in den Händen weniger, nämlich der Vereinsleiter, ausarteten. Die ideologischen und praktischen Gründe, die zur Gründung führten, gingen praktisch verloren: die Vereinigung wurde Selbstzweck. Damit hörte auch der Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Mitgliedern weitgehend auf und wurde durch das Machtwort der Führung ersetzt, das ihnen in Form von strengen Regeln auferzwungen wurde. Erfahrungsgemäss ist also die grösste Gefahr für das Wohlergehen einer Vereinigung: das allmähliche Absterben der aktiven Teilnahme der Mitglieder.

Hier möchten wir ein kleines Beispiel einfügen: Wenn Sie, unser Leser, im Brass Bulletin eine Meinung ausgedrückt finden, mit der Sie nicht einverstanden sind, wenn Sie eine brillante Idee oder eine wichtige Frage haben, und Sie uns nicht schreiben, so ist Ihre Meinung, Idee, Frage, wertlos und verschwunden. Greifen Sie aber zur Feder und senden Sie sie uns zu, so wird sie lebendig und können wir alle von ihr mitprofitieren! Ja, das kostet etwas Zeit und Anstrengung, aber es lohnt sich!

In diesem Sinne möchten wir gerade mit folgendem Problem an Sie herantreten und Sie um Ihre Mitarbeit bitten:

In Montreux, Schweiz, fand letzten Sommer ein vom Institut de Hautes Études Musicales (IHEM) organisiertes, internationales Blechbläser-Symposium statt, im Laufe dessen von einigen prominenten Persönlichkeiten der dringende Wunsch nach Zusammenschluss zu einer weltweiten Blechbläser-Vereinigung geäussert wurde, wodurch (wir zitieren Harvey Phillips): «... die Kontaktmöglichkeiten zwischen Blechbläsern durch jährliche Herausgabe eines Musiker-Adressbuches und durch Zirkularschreiben mit Angaben über Konzertreisen von Orchestern, Ensembles und Solisten, zu fördern sind, usw.».

Bevor Brass Bulletin sich zur Mitarbeit bei der Verwirklichung dieser Idee entschliesst, möchten wir gerne die Ansichten unserer Leser kennenlernen. Würden Sie bitte den beiliegenden Fragebogen beantworten und uns einschicken? (Danke!)

Brass Bulletin 10, I / 1975 Seiten 5–8

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